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Logische Ebenen 2.0
neurologische Ebenen von Sven Scharly

Dilts-Pyramide 2.0 – Sind die neurologischen Ebenen so richtig?

Im Rahmen einiger NLP-Ausbildungen, die ich besucht habe, wurde mir mehrmals die Dilts-Pyramide vorgestellt. Auch unter den Namen neurologische Ebenen oder einfach logische Ebenen bekannt ist es ein Modell um beispielsweise Aussagen von Coaching-Klienten einordnen und so Interventionen zielgerichteter einsetzen zu können.

Ich fand das Modell von Anfang an sehr spannend und mächtig. Aber kennen Sie das Gefühl, wenn Sie etwas kennenlernen oder hören und Sie haben ein komisches Gefühl, wissen aber noch nicht warum? So ging es mir bei der Dilts-Pyramide.

Kommen wir für alle, denen die Pyramide noch nicht bekannt ist, erstmal dazu diese vorzustellen.

Robert Dilts – Der Entwickler der Dilts-Pyramide

Robert Dilts war neben Richard Bandler und John Grinder einer der Gründungsväter von NLP und war maßgeblich an der Weiterentwicklung beteiligt. Wie Bandler und Grinder lernte auch er von Milton Erickson und Gregory Bateson sein Handwerk. Neben vielen Büchern über NLP entwickelte Robert Dilts auch diverse Formate und Modelle im NLP.

Eines dieser Modelle sind die logischen Ebenen, die er in Pyramidenform darstellte. Aus dieser Tatsache heraus hat sich landläufig dann die Bezeichnung Dilts-Pyramide eingebürgert.

Die Dilts-Pyramide im Überblick

Die Pyramide ist in mehrere Ebenen unterteilt. In der Regel sind dies sechs über die Jahre wurden die Ebenen jedoch teilweise erweitert oder zusammengelegt, so dass es zu leicht abweichenden Darstellungen kommt. Auch im Hinblick auf die Bezeichnung der Ebenen gibt es Unterschiede, speziell in der obersten Ebene Zugehörigkeit ist auch Spiritualität, Vision oder auch Mission.

Hier die typische Darstellung:

Dilts Pyramide

Schaubild neurologische Ebenen

Die Idee dahinter ist es, dass Aussagen des Klienten immer verraten auf welcher Ebene er seine Argumentation führt. Ein Beispiel:

Ausgangssituation: Angst vor größeren Menschengruppen zu sprechen

Frage: „Was wäre, wenn Du es einfach tun würdest?“

Mögliche Antworten:

„Das geht nicht, da würden meine Freunde mich für verrückt erklären!“ (Umwelt)

„Das geht nicht, ich würde bestimmt von der Bühne flüchten!“ (Verhalten)

„Das geht nicht, ich kann mich nicht sauber artikulieren.“ (Fähigkeiten)

„Das geht nicht, weil mein Thema eh keinen interessiert!“ (Glaubenssatz)

„Das geht nicht, weil ich einfach kein Sprecher bin!“ (Identität)

„Das geht nicht, in meiner Familie sind alle eher schüchtern!“ (Zugehörigkeit)

 

Ist der Coach nun in der Lage die Argumentation auf der Dilts-Pyramide einzuordnen, so kann er aus seinem reichhaltigen Repertoire an Formaten das passende Heraussuchen. Hierbei gilt der Grundsatz ein Problem kann nur auf derselben oder einer höheren Ebene gelöst werden.

An einem einfachen Beispiel erklärt:

Wenn in einer Vertriebsschulung Einwandbehandlung und Argumentation geschult wird, macht das einen Verkäufer zu einem besseren Verkäufer. Denn die Fähigkeiten des Vertriebsmitarbeiters werden geschult. ABER, dies gilt nicht, wenn der Vertriebsmitarbeiter tief in seinem inneren, in seiner Identität für sich definiert hat „Ich BIN KEIN Verkäufer“. Wenn der persönliche Konflikt also auf einer höheren Ebene liegt kann die Lösung auf einer darunterliegenden Ebene nicht wirken.

Denken Sie mal darüber nach, wie oft in Unternehmen Maßnahmen ins Leere laufen und keiner aus dem Management versteht warum. Zumindest Sie wissen das in Zukunft.

Ein weiteres Beispiel:

Der Klient möchte mit dem Rauchen (Verhalten) aufhören. Alles was er bisher versucht hat scheiterte aber nach kurzer Zeit. In der Vorbesprechung äußert der Klient den Satz „Ich habe die Angst, wenn ich mit Rauchen aufhöre nehme ich zu!“ (Glaubenssatz). Arbeite ich also mit Interventionen auf der Verhaltensebene ohne diesen Glaubenssatz zu bearbeiten wird der Klient immer wieder mit Rauchen anfangen.

Es gibt eine nahezu unerschöpfliche Anzahl an Beispielen, durch die die neurologischen Ebenen bestätigt werden. Da die logischen Ebenen jedoch aus dem NLP entstanden sind sollten diese beiden Modelle kongruent sein. Stülpe ich jedoch das NLP-Modell über die Dilts-Pyramide dann bedarf es einer Korrektur.

NLP vs. Dilts-Pyramide

Im NLP ist unter anderem die Rede von Wahrnehmungsfiltern. Vereinfacht gesagt ist das was wir als Realität wahrnehmen nie die tatsächliche Realität, sondern nur ein Abbild, welches durch unsere Spezifischen Filter gelaufen ist.

Ein sehr schönes Beispiel haben Sie vor ein gelbes Auto zu kaufen werden ihnen auf der Straße plötzlich mehr gelbe Autos auffallen. Dies geschieht aber nicht, weil tatsächlich mehr Autos auf den Straßen unterwegs sind, sondern einfach nur, weil ihre Wahrnehmung fokussiert ist.

Wenn Sie sich morgens den Zeh anschlagen und denken „Was ein Sch***-Tag“, dann werden ihnen negative Erlebnisse an diesem Tag mehr auffallen, als an einem guten Tag.

Von diesen Filtersystemen gibt es im NLP Modell verschiedene, einer ist der soziale Filter. Mein Umfeld beeinflusst mein Denken. Die Umwelt beeinflusst auch wer ich bin, zu wem ich mich zugehörig fühle, welche Glaubenssätze ich habe und so weiter. Die Umwelt ist also durchaus zentrales Element und ist in der untersten Ebene fehl am Platze.

Auch hierzu wieder einige Beispiele, die nichts mit der Dilts-Pyramide zu tun haben, aber aufzeigen, dass die Umwelt maßgeblich an allen Ebenen beteiligt ist.

Einem Süchtigen wird während des Entzugsprozesses empfohlen sein Umfeld zu verändern. Ist ja auch klar, wenn ich mit Rauchen aufhören möchte und in einem Umfeld von Rauchern bin fällt es mir schwerer als wenn ich in einer Nicht-Raucher Umgebung bin.

Führende Motivationstrainer raten immer wieder „Wenn Du erfolgreich sein möchtest, dann umgib dich mit Menschen, die dies bereits sind“. Wenn die Umwelt keinen Einfluss hätte, wäre dieser Satz ad absurdum geführt.

In einer ersten Stufe müsste die Dilts-Pyramide also folgendermaßen verändert werden:

logische Ebenen

Neurologische Ebenen neu gedacht

Damit passt das Modell der logischen Ebenen für mich tatsächlich deutlich besser. Die Anzahl an reellen Beispielen, die sich damit erklären lassen erhöht sich und die Erklärungen sind für mich nachvollziehbarer. Der Grundsatz ein Thema kann nur auf derselben oder einer höheren Ebene gelöst werden muss nun erweitert werden zu „Ein Thema kann nur auf derselben oder einer höheren Ebene unter Einbeziehung der Umwelt gelöst werden.“

Diese Erklärung entspricht nun auch eher dem systemischen Ansatz, der unter anderem im Coaching immer mehr Einzug hält.

 

Dann ist das jetzt die korrekte Dilts-Pyramide?

Ich bin der Meinung: Nein!

Ein zentrales Element im NLP sind Glaubenssätze. Glaubenssätze sind die Programmiersprache in der wir programmiert sind. Im Prinzip ist jede Aussage die wir machen ein Glaubenssatz.

„Ich bin kein Verkäufer“ – ist ein Glaubenssatz, die Frage dazu könnte lauten: „Woher weißt Du das?“

Eine Aussage auf Identitätsebene stellt also genauso einen Glaubenssatz dar, wie eine Aussage über die Fähigkeiten.

Z.B.: „Ich kann kein Haus bauen.“, mögliche Frage: „Was würde passieren, wenn Du es versuchst?“

Somit sind die Glaubenssätze innerhalb der Dilts-Pyramide ähnlich wie die Umwelt eigentlich fehl am Platz. Nun stellt sich nur noch die Frage was machen wir dann mit den Glaubenssätzen.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Umwelt alle Ebenen beeinflusst und die Glaubenssätze ähnliches bewirken, dann müssen diese beiden in einer Beziehung stehen. Diese Beziehung macht für mich am meisten Sinn, so wie nachfolgend dargestellt:

logische Ebenen 2.0

neurologische Ebenen von Sven Scharly

Unsere Umwelt beeinflusst unsere Glaubenssätze. Auch hier wieder ein typisches Beispiel:

Bin ich in einem Umfeld, das mir wenig Vertrauen entgegenbringt und es werden Sätze gesagt, wie „Du schaffst das nicht.“, „In deiner Familie war noch nie eine Sportskanone.“, „Wie wenn Du besser wärst als andere!“, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ich diese Aussagen übernehme und dementsprechende Glaubenssätze bilde.

Parolen wie „Ausländer raus“ haben ähnliche Wirkung. Zugegebenermaßen nicht bei jedem, aber passen die Umstände, dann wird ein äußerer Reiz übernommen und ein Glaubenssatz gebildet.

Wenn man so will, bilden sich aus den Glaubenssätzen dann die Ebenen der Dilts-Pyramide erst heraus. Sie umschließen die Ebene also und nehmen Einfluss auf alles von ihnen.

 

Dilts-Pyramide 2.0 – Bedeutung für die Praxis

Bei der Arbeit mit Menschen, bei der Bewertung von Situation und beim Ergründen von Handlungsoptionen sind die Glaubenssätze unter Berücksichtigung der Umwelt der zentrale Schlüssel zur Veränderungsarbeit.

Hierin liegt aus meiner Sicht aber auch ein Beleg für die von Motivationstrainern gerne verwendeten Botschaften, wie „Sei der Mensch der Du sein willst“. Denn Glaubenssätze können verändert werden. Nicht immer ganz einfach und nicht bei jedem von heute auf morgen, aber sie können verändert werden. In Kombination mit der Bewertung und notfalls Veränderung des Umfelds kann somit jeder seine Vision, Zugehörigkeit oder wie man es nennen mag, seine Identität, seine Werte und seine Fähigkeiten gestalten.

Also „Sei der, der Du sein willst!“, falls Du dabei Hilfe benötigst zögere nicht einen persönlichen Coach zur Hilfe zu nehmen. Das Leben ist zu kurz um Jahre auf sein bestes Leben zu warten!